Iridium – seltenes Platinmetall und Legierungsmetall für Schmuck
Erstmals veröffentlicht am 06.06.2024 – umfassend überarbeitet und fachlich aktualisiert am 14.09.2026.
Iridium gehört zu den seltensten Metallen der Erde. Es ist außergewöhnlich dicht, besitzt einen sehr hohen Schmelzpunkt und widersteht chemischen Angriffen ausgesprochen gut. Für die Schmuckherstellung ist Iridium dennoch kein typisches eigenständiges Schmuckmetall.
Interessant wird es vor allem als Legierungsbestandteil von Platin. Dabei ist allerdings Vorsicht mit einfachen Aussagen wie „Iridium macht Platin besonders hart“ geboten: Welche Eigenschaften eine Platinlegierung besitzt, hängt immer von ihrer gesamten Zusammensetzung und ihrem Verarbeitungszustand ab.
Was ist Iridium?
Iridium ist ein chemisches Element mit dem Symbol Ir und der Ordnungszahl 77. Es gehört gemeinsam mit Platin, Palladium, Rhodium, Ruthenium und Osmium zur Gruppe der Platinmetalle.
Das reine Metall besitzt eine silbrig-weiße Farbe. Besonders auffällig sind seine hohe Dichte, sein hoher Schmelzpunkt und seine außergewöhnliche chemische Beständigkeit.
In der Schmuckwelt begegnet Iridium wesentlich seltener als Platin oder Palladium.
Wann wurde Iridium entdeckt?
Iridium wurde 1803 vom englischen Chemiker Smithson Tennant entdeckt. Bei Untersuchungen von Rohplatin blieb nach dessen Behandlung mit Königswasser ein dunkler, unlöslicher Rückstand zurück.
Tennant konnte daraus zwei bis dahin unbekannte Elemente isolieren: Iridium und Osmium.
Der Name Iridium geht auf das lateinische Wort iris beziehungsweise den Regenbogen zurück. Hintergrund waren die unterschiedlichen Farben verschiedener Iridiumverbindungen.
Welche Eigenschaften hat Iridium?
Iridium besitzt einige außergewöhnliche physikalische und chemische Eigenschaften:
- Es gehört mit einer Dichte von rund 22,56 g/cm³ zu den dichtesten bekannten Metallen.
- Sein Schmelzpunkt liegt bei etwa 2.446 °C.
- Es ist außergewöhnlich korrosionsbeständig.
- Reines Iridium ist hart und gleichzeitig spröde.
- Es besitzt eine silbrig-weiße Metallfarbe.
Gerade die Kombination aus hohem Schmelzpunkt, chemischer Beständigkeit und Sprödigkeit macht deutlich, warum Iridium trotz seiner Seltenheit nicht einfach wie Gold oder Silber zu Schmuck verarbeitet wird.
Ist Iridium ein Edelmetall?
Ja. Iridium wird zu den Edelmetallen gerechnet und gehört zur Gruppe der sechs Platinmetalle.
Zu dieser Gruppe gehören:
- Platin,
- Palladium,
- Rhodium,
- Iridium,
- Ruthenium und
- Osmium.
Diese Metalle besitzen teilweise sehr unterschiedliche technische Eigenschaften. Dass sie derselben Metallgruppe angehören, bedeutet deshalb nicht, dass sie in der Goldschmiede untereinander austauschbar wären.
Warum wird Schmuck kaum aus massivem Iridium hergestellt?
Die Eigenschaften, die Iridium technisch interessant machen, erschweren gleichzeitig seine klassische goldschmiedische Verarbeitung.
Der hohe Schmelzpunkt von rund 2.446 °C liegt weit oberhalb der Schmelztemperaturen klassischer Gold- und Silberlegierungen. Hinzu kommt, dass Iridium in reiner Form spröde und schwierig umzuformen ist.
Für einen Goldschmied ist massives Iridium deshalb kein Werkstoff, der sich wie Gold, Silber, Platin oder Palladium auf klassische Weise schmieden, walzen und zu einem Schmuckstück weiterverarbeiten lässt.
Seine Bedeutung für Schmuck liegt vielmehr in der Verwendung als Bestandteil bestimmter Legierungen.
Iridium in Platinlegierungen
Eine bekannte Anwendung im Schmuckbereich ist die Legierung von Platin mit Iridium.
Historisch und international sind beispielsweise Platinlegierungen mit 90 Prozent Platin und 10 Prozent Iridium bekannt. Daneben existieren auch Zusammensetzungen mit 95 Prozent Platin und 5 Prozent Iridium.
Wichtig ist dabei: Der Iridiumanteil allein sagt noch nicht, wie hart oder widerstandsfähig die fertige Legierung ist.
Eine Pt900/Iridium-Legierung kann andere mechanische Eigenschaften besitzen als Pt950/Iridium. Auch Herstellungsverfahren, Umformung und Kaltverfestigung beeinflussen das Verhalten des Materials.
Deshalb sollte man eine Platin-Iridium-Legierung nicht pauschal als „kratzfest“ oder „extrem hart“ bezeichnen.
Macht Iridium Platin kratzfest?
Nein. Diese Aussage wäre zu einfach.
Auch Schmuck aus einer Platin-Iridium-Legierung bekommt beim Tragen Gebrauchsspuren. Ein Ring ist permanent Reibung, Stößen und Kontakt mit härteren Gegenständen ausgesetzt.
Hinzu kommt, dass unterschiedliche Platin-Iridium-Legierungen unterschiedliche Härten besitzen. Ein höherer Feingehalt oder die Zugabe eines besonders harten Metalls bedeutet nicht automatisch, dass die daraus entstandene Legierung ebenfalls maximal hart ist.
Genau deshalb betrachten wir in der Goldschmiede immer die konkrete Legierung und nicht nur die Namen ihrer Bestandteile.
Iridium oder Platin – was ist der Unterschied?
| Eigenschaft | Iridium | Platin |
| Chemisches Symbol | Ir | Pt |
| Dichte | ca. 22,56 g/cm³ | ca. 21,45 g/cm³ |
| Schmelzpunkt | ca. 2.446 °C | ca. 1.768 °C |
| Verarbeitung | in reiner Form sehr schwierig | als geeignete Schmucklegierung gut verarbeitbar |
| Bedeutung für Schmuck | vor allem Legierungsmetall | eigenständiges Schmuck- und Trauringmaterial |
Welche Platinlegierungen gibt es noch?
Iridium ist keineswegs der einzige mögliche Legierungsbestandteil von Schmuckplatin.
Je nach Anwendungszweck werden beziehungsweise wurden unter anderem Palladium, Ruthenium, Cobalt, Kupfer oder weitere Metalle eingesetzt. Dadurch lassen sich Eigenschaften wie Härte, Gießbarkeit, Umformbarkeit und Bearbeitungsverhalten gezielt beeinflussen.
Deshalb sagt auch die Bezeichnung 950 Platin zunächst nur aus, dass die Legierung zu 950 Tausendteilen beziehungsweise 95 Prozent aus Platin besteht. Welche Metalle die verbleibenden 50 Tausendteile bilden, kann unterschiedlich sein.
Mehr über Feingehalte erklären wir in unserem Ratgeber Was bedeuten 585, 750 und 950?.
Verwendet Wiesner Iridium in Mokume Gane?
Iridium ist kein Bestandteil unserer Mokume-Gane-Schichtkombinationen.
Für unsere Mokume Gane Ringe verwenden wir je nach Modell unterschiedliche Kombinationen aus Gelbgold, Rotgold, Palladium, Silber und Platin.
Entscheidend ist dabei nicht nur die Farbe eines Metalls. Die unterschiedlichen Legierungen müssen sich auch technisch für das Verschweißen der Schichten sowie das anschließende Schmieden und Bemustern eignen.
Iridium ist für unsere Mokume-Gane-Arbeiten deshalb vor allem als metallkundliches Thema innerhalb der Platingruppe interessant und nicht als sichtbare eigene Metallschicht.
Wo wird Iridium außerhalb von Schmuck verwendet?
Aufgrund seiner hohen Temperatur- und Korrosionsbeständigkeit wird Iridium für spezielle technische Anwendungen eingesetzt.
Dazu gehören beispielsweise hoch beanspruchte Kontakte und Bauteile sowie besondere Legierungen. Auch die historische Bedeutung ist bemerkenswert: Der frühere internationale Meterprototyp bestand aus einer Legierung von 90 Prozent Platin und 10 Prozent Iridium.
Für einen Schmuckratgeber ist die industrielle Verwendung allerdings zweitrangig. Entscheidend ist hier vor allem die Rolle von Iridium als möglicher Bestandteil spezieller Platinlegierungen.
Iridium auf einen Blick
| Chemisches Symbol | Ir |
| Ordnungszahl | 77 |
| Metallgruppe | Platinmetalle |
| Dichte | ca. 22,56 g/cm³ |
| Schmelzpunkt | ca. 2.446 °C |
| Farbe | silbrig-weiß |
| Besonderheit | sehr hohe Korrosionsbeständigkeit |
| Verwendung bei Schmuck | vor allem als Bestandteil bestimmter Platinlegierungen |
| Massiver Iridiumschmuck | aufgrund der schwierigen Verarbeitung unüblich |
| Wiesner Mokume Gane | Iridium wird nicht als eigene Schicht verwendet |
Häufige Fragen zu Iridium
Ist Iridium ein Edelmetall?
Ja. Iridium gehört gemeinsam mit Platin, Palladium, Rhodium, Ruthenium und Osmium zu den Platinmetallen.
Ist Iridium schwerer als Platin?
Ja. Iridium besitzt mit rund 22,56 g/cm³ eine etwas höhere Dichte als Platin mit rund 21,45 g/cm³. Beide gehören zu den dichtesten Metallen.
Ist Iridium härter als Platin?
Reines Iridium ist hart und spröde. Daraus kann jedoch nicht unmittelbar auf die Härte einer Platin-Iridium-Legierung geschlossen werden. Deren Eigenschaften hängen von Zusammensetzung und Verarbeitung ab.
Gibt es Schmuck aus Iridium?
Massiver Schmuck aus reinem Iridium ist sehr ungewöhnlich. In der Schmuckherstellung begegnet Iridium hauptsächlich als Legierungsbestandteil bestimmter Platinlegierungen.
Was bedeutet Platin-Iridium?
Damit ist eine Legierung gemeint, die hauptsächlich aus Platin besteht und Iridium als weiteren Bestandteil enthält. Bekannte Beispiele sind Pt900 mit etwa 10 Prozent Iridium sowie Pt950 mit etwa 5 Prozent Iridium.
Sind Platin-Iridium-Ringe kratzfest?
Nein. Auch diese Legierungen bekommen beim Tragen Kratzer und Gebrauchsspuren. Wie widerstandsfähig ein Ring tatsächlich ist, hängt von der konkreten Legierung, Verarbeitung, Konstruktion und Beanspruchung ab.
Verwendet Wiesner Iridium für Mokume Gane?
Nein. Unsere Mokume-Gane-Schichtkombinationen bestehen je nach Modell aus Gelbgold, Rotgold, Palladium, Silber oder Platin.
Unser Fazit aus der Goldschmiede
Iridium ist ein faszinierendes Edelmetall, aber kein typisches Material, aus dem ein Goldschmied einen Ring schmiedet. Seine hohe Dichte, enorme Korrosionsbeständigkeit, Sprödigkeit und der sehr hohe Schmelzpunkt machen das reine Metall für die klassische Schmuckfertigung ausgesprochen anspruchsvoll.
Seine eigentliche Bedeutung für Schmuck liegt als Legierungsbestandteil von Platin. Dabei zeigt Iridium besonders gut, warum man die Eigenschaften einer Schmucklegierung niemals allein aus den Eigenschaften ihrer einzelnen Bestandteile ableiten sollte.
Wer sich für Platin als Schmuckmetall interessiert, findet die für die Praxis wichtigeren Informationen in unserem Ratgeber über Platin. Weitere Metalle und Legierungen finden Sie im Ratgeberbereich Edelmetalle.